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Anforderungsprofil

Hier finden Sie einen Artikel aus einer Berufs-Welt Sonderbeilage der Tageszeitung DIE WELT. In diesem Bericht wird sehr anschaulich beschrieben, welche Aufgaben in einer Leasinggesellschaft von den Mitarbeitern üblicherweise erledigt werden. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Redaktion WELT online. Die jeweils aktuelle Ausgabe finden Sie im Internet unter http://www.welt.de

Leasing-Profis sind Mangelware
Sie müssen kalkulieren und kommunizieren sowie Sinn für Technik haben.

Brz Hamburg - Hinter der Dienstleistung Leasing steckt ein komplexes Geflecht an hochspezialisierten Aktivitäten. Dies ist nur möglich, wenn hochmotivierte Mitarbeiter bei der Erstellung des Produktes Leasing zusammenwirken. Da der Beruf Leasingkaufmann nicht erlernbar ist, kommen Mitarbeiter aus artverwandten Berufen zum Einsatz, die dann jeweils die leasingspezifischen Details hinzulernen müssen. Voraussetzung dafür ist eine profunde kaufmännische Ausbildung etwa als Bankkaufmann oder ein ökonomisch ausgerichteter akademischer Abschluß. Darüber hinaus sind kommunikative Fähigkeiten ebenso gefordert, wie die Bereitschaft, sein Wissen ständig anzupassen.

Das Leasinggeschäft ist sehr objektbezogen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, sich konkret mit den Leasingobjekten auseinanderzusetzen, ihre technischen Eigenschaften zu verstehen und deren Wertentwicklung zu sammeln. Andererseits hat das Leasinggeschäft eine gewisse Nähe zum Bankgeschäft, denn es werden in der Regel hochwertige Investitionsgüter nach den Wünschen des Leasingnehmers angeschafft. Der Leasinggeber geht damit nicht unerhebliche Zahlungsverpflichtungen ein, die auch zu bedienen sind. An erster Stelle steht zunächst einmal die Akquisition von Kunden. Als Gesprächspartner auf der Abnehmerseite treten Entscheider aus dem finanzwirtschaftlichen Bereich der Unternehmung sowie deren Geschäftsführung auf. Um den gehobenen Informationsansprüchen dieser Partner gerecht zu werden, bedarf es umfassender Kenntnisse steuerlicher, rechtlicher und kalkulatorischer Art. Fachliche Sicherheit in allen leasingspezifischen Fragen ist selbstverständlich, ebenso wie ein reiches Umfeldwissen hinsichtlich der Substitutionsprodukte zum Leasing. Um in einem angemessenen Zeitraum zu einem tragfähigen Ergebnis zu kommen, ist die Fähigkeit zur Teamarbeit unbedingt erforderlich, ebenso wie die Bereitschaft, Entscheidungen zu fällen, zu akzeptieren und zu vertreten. Dies geht im Normalfall nur, wenn auf ein gutes Fachwissen und umfangreiche Erfahrungen im Finanzdienstleistungsgeschäft aufgebaut werden kann. Daher sind Senkrechtstarter in der Leasingbranche - von wenigen hochbegabten Ausnahmen abgesehen - die Ausnahme. In kaum einer anderen Sparte haben Erfahrung und der Aufbau langfristiger Beziehungen so viel Bedeutung wie beim Leasing.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Tatsache, daß auf Seiten der Verhandlungspartner gestandene Manager stehen, die als Gesprächspartner auch adäquate Persönlichkeiten erwarten. Daraus folgt, daß Mitarbeitern in der Leasingbranche die Verantwortung und Entscheidungskompetenz - gemessen an anderen Branchen - vielleicht erst einmal langsamer aber auch stetiger zuwächst. Ihren höchsten Leistungsstand erreichen sie nicht selten erst, wenn sie das Lebensalter und eine Berufserfahrung haben, mit der sie in anderen Branchen ihren beruflichen Höhepunkt schon überschritten hätten. Die Mitarbeiter, insbesondere in der Leasingbranche, werden mit zunehmendem Dienstalter für die Unternehmen also immer wertvoller. Kommt es nach intensiver Beratung und zum Teil langen Verhandlungszeiträumen zu einem Leasingengagement, ist die unbedingte Sicherheit in der Vertragsabwicklung erforderlich. Dazu bedarf es umfangreicher Kenntnisse bezüglich des Einkaufes komplexer Industriegüter, die nicht selten umfangreiche Leistungsbeschreibungen und Lieferungs- und Zahlungsbedingungen haben. Die Mitarbeiter in der Leasingbranche agieren immer in einem Deckungsverhältnis zwischen dem eigenen Arbeitgeber und dem Leasingnehmer und Lieferanten, die grundsätzlich alle beim Zustandekommen eines Leasingvertrages mitwirken müssen.

Eine andere Facette des Leasinggeschäftes ist das sogenannte Nachmietgeschäft. Bei Auslauf des Leasingvertrages ist das Leasingobjekt normalerweise noch nicht verbraucht und kann daher als Gebrauchtobjekt noch weiter zum Einsatz kommen. Dazu bedarf es allerdings des Einsatzes von hochqualifiziertem Personal, denn es handelt sich bei den Objekten um erklärungsbedürftige Güter, die an anspruchsvolle Kunden veräußert werden. Daher kommt es nicht selten vor, daß die Mitarbeiter um Expertisen über bestimmte Objekte gebeten und daß statistische Analyse über die wichtigsten Objektgruppen angefertigt und fortgeschrieben werden. In diesem Geschäftsfeld sind also neben dem Produktwissen und der Kommunikationsfähigkeit besondere analytische Fähigkeiten gefordert. In der Vergangenheit haben interne Aus- und Fortbildungen eine dominierende Rolle gespielt. In den letzten Jahren ist die Möglichkeit hinzugekommen, daß Mitarbeiter einen Abschluß zum Finanzierungs- und Leasingwirt (VWA) an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Freiburg oder zum Leasingfachwirt (IHK) vor den Industrie- und Handelskammern ablegen können.

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